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Thesen für gutes Design

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Wenn Marketing nicht die erhoffte Durchschlagskraft entfaltet, sind häufig unüberlegte Designkonzeptionen die Ursache.

Dieter Rams verdichtete gutes Design auf ein paar essentielle Basiseigenschaften. Rams Thesen sind heute noch so aktuell wie 1993. Im folgenden möchte ich die zehn Designthesen kurz erläutern, da sie immernoch einen sehr guten Anhaltspunkt darstellen, um das eigene Firmendesign auf den Prüfstand zu stellen.

Über Dieter Rams

Dieter Rams ist ein deutscher Industriedesigner. Er wurde 1932 in Wiesbaden geboren. Mit seinen Arbeiten für die Firma Braun prägte er das typische klare Erscheinungsbild der Braun-Produkte. Viele der entstandenen Objekte gelten mitlerweile als Designklassiker. Etwa der Weltempfänger T1000, die Hi-Fi Anlagen Regie und Atelier, der Lautsprecher LE1 und der Taschenrechner ET 66. Das erklärte Ziel von Rams Arbeiten waren eine Klarheit der Form, Materialgerechtigkeit und leichte Bedienbarkeit.

Noch heute profitieren viele Designer von der Fortführung dieser Thesen. Sowohl der Apple-Chefdesigner Sir Jonathan Ive als auch der Apple-Gründer Steve Jobs sind/waren große Bewunderer der Braun-Designs. Einige Apple-Produkte sind recht deutlich von Brauns Produktdesign inspiriert. (iMac, G5 Mac Pro, iPod usw.) Rams äußerte dazu in einem Interview, dass er die Ähnlichkeit zu seinen Designkreationen als „Kompliment” betrachtet.

Was ist gutes Design?

Bereits Mitte der 70er Jahre begannen Rams und sein Team ihre Erkenntnisse zum Design zu verdichten und in den folgenden Jahren auszubauen und weiterzuentwickeln. 1993 stellte Dieter Rams im Rahmen einer Tagung seine zehn Thesen zu gutem Design vor.

Seiner Biografin zufolge sieht Dieter Rams diese Thesen selbst als „nützlich zur Orientierung und zum Verständnis” an. Zugleich sagte er aber, dass Design sich in einer ständiger Weiterentwicklung befindet. So wie dies zum Beispiel auch bei Technologie und Kultur der Fall ist.

 

Dieter Rams: „Zehn Thesen für gute Design”

  • 01. Gutes Design ist innovativ.
    (Good design is innovative.)
  • 02. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.
    (Good design makes a product useful.)
  • 03. Gutes Design ist ästhetisch.
    (Good design is aesthetic.)
  • 04. Gutes Design macht ein Produkt verständlich.
    (Good design makes a product understandable.)
  • 05. Gutes Design ist unaufdringlich.
    (Good design is unobtrusive.)
  • 06. Gutes Design ist ehrlich.
    (Good design is honest.)
  • 07. Gutes Design ist langlebig.
    (Good design is long-lasting.)
  • 08. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail.
    (Good design is thorough down to the last detail.)
  • 09. Gutes Design ist umweltfreundlich.
    (Good design is environmentally friendly.)
  • 10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.
    (Good design is as little design as possible.)

„Dinge, die anders gemacht werden, um einfach nur anders zu sein, sind selten besser, aber das, was gemacht wird, um besser zu sein, ist fast immer anders.”

Dieter Rams, 1993

10 Prinzipien für gutes Design

1. Gutes Design ist innovativ

Die Möglichkeiten für Design-Innovationen sind noch lange nicht erschöpft. Technologische Entwicklungen bieten immer neue Möglichkeiten zur Weiterentwicklung von Design. Es gibt immer mindestens noch eine Möglichkeit, die Dinge besser zu machen, als sie zur Zeit gerade gemacht werden.

2. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar

Ein Produkt wird normalerweise erworben um genutzt zu werden. Dafür muß es mindestens die Basis-Anforderungen erfüllen. Damit ist nicht nur die Funktionalität gemeint. Es geht auch um psychologische und ästhetische Anforderungen. Gutes Design unterstützt die Wirksamkeit eines Produkts. Usability ist ein großes Thema in der digitalen Kommunikation.

3. Gutes Design ist ästhetisch

Die ästhetische Qualität eines Produkts ist ein wesentlicher Bestandteil für seine Nutzbarkeit. Produkte, welche wir jeden Tag nutzen beeinflussen unser Wohlbefinden. Klug ausgeführte Objekte sind schön und bereiten Freude.

4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich

Gutes Design macht ein Produkt nicht komplizierter als unbedingt notwendig. Durch Design wird die Nutzung soweit wie möglich vereinfacht. Im Idealfall wird es sogar selbsterklärend und lädt von selbst zum ausprobieren ein. Design kann ein Produkt zum sprechen bringen.

In seinem bekannten Buch „Interface. Design neu begreifen” beschreibt Gui Bonsiepe 1998 die Relevanz von überlegtem Interface Design. Das iPhone ist vermutlich das bekannteste Beispiel für die gelungene Umsetzung von Interfacedesign.

5. Gutes Design ist unaufdringlich

Produkte, die einen Zweck erfüllen werden vom Käufer genutzt wie ein Werkzeug. Diese Produkte können trotzdem dekorativ sein oder sogar als Kunstgegenstände daherkommen. Gleichzeitig sollte das Design täglich genutzter Produkte jedoch neutral und dezent sein. Um ausreichend Platz zu lassen für die Persönlichkeit und den Selbstausdruck der Nutzer. Gutes Design erregt nur soviel Aufmerksamkeit wie unbedingt notwendig. Es sollte die Vorteile des Käufers in den Vordergrund stellen ohne aufdringlich zu sein. “Unauf­dring­lich­keit” ist bereits ein ethi­scher Wert, den man sich als Marke auf die Fahne schrei­ben kann.

6. Gutes Design ist ehrlich

Ein Produkt wird nicht innovativer, wichtiger oder wertvoller indem es vorgibt etwas zu sein, was es in Wirklichkeit nicht ist. Das bringt kurzfristigen Profit. Die meisten Käufer haben aber heutzutage alternative Produkte zur Auswahl. Aus Markensicht zahlt es sich deshalb nicht aus die Konsumenten durch Versprechen zu manipulieren, die nicht eingehalten werden können. Gutes Design hat etwas damit zu tun, die wichtigen Dinge hervorzuheben.

7. Gutes Design ist langlebig

Was ist beständiges Design? Gutes Design folgt keinen kurzfristigen Trends und kommt deswegen auch nicht aus der Mode. Trends kommen und gehen, aber die Prinzipien von Usability, Produktpsychologie, Design und Grafik bleiben stets die gleichen. Selbst in unserer heutigen schnelllebigen Zeit bleibt Design für viele Jahre aktuell. Design bedeutet Konzentration auf Usability, Ästhetik und den Fortschritt.

8 . Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail

Kon­se­quenz kommt von dem latei­ni­schen con­se­qui — fol­gen, errei­chen. Die Kon­se­quenz hängt in der visuellen Kom­mu­ni­ka­tion immer von der Stärke der Vision oder Idee ab, die man bis ins letzte Detail durchzieht. In einem guten Design darf daher nichts willkürlich platziert oder dem Zufall überlassen werden. Jedes Element hat seinen Grund und erfüllt einen bestimmten Zweck. Gutes Design bedeutet so sorgfältig vorzugehen, dass jedes einzelne Element die gleiche Aufmerksamkeit und Planung erhält wie das komplette Layout. Umsicht und Genauigkeit im Designprozeß zeigen Verständnis und Respekt für den Nutzer. Sorgfältigkeit ist notwendig für die Eleganz, Kraft und Zeitlosigkeit von Grafikdesign.

9. Gutes Design ist umweltfreundlich

Design leistet einen wichtigen Beitrag zur Wahrung unserer Umwelt. Es optimiert die Resourcennutzung und minimiert physische und visuelle Verschmutzung. Auch die sozia­len Kon­texte, in denen Desi­gn­lö­sun­gen stehen spielen keine unwichtige Rolle.

10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich

Zurück zur Reinheit und Einfachheit. Weil gutes Design sich auf die wesentlichen Aspekte konzentriert und das Produkt nicht mit unwichtigen Dingen überlastet.

Für die meisten Designer ist es sehr einfach einem Werk neue dekorative Details hinzuzufügen. Komplexität zu minimieren und sich auf wenige Elemente zu beschränken führt meist zu besseren Lösungen als als immer neue Elemente hinzuzufügen. Der Schlüssel zur Einfachheit liegt in den Fundamenten des eigenen Designs versteckt. Man entfernt alles, was nicht notwendig ist und den Benutzer nicht weiterbringt. Weniger ist mehr.

 

Design-Philosophie

Gutes Design steckt in alltäglichen Dingen und der Natur. Design kann man auch als Denk- und Handlungsempfehlung verstehen. Diese steht dann erst einmal nicht im direkten Zusammenhang mit Kreativität. „design thinking“ kann allerdings eine wertvolle Resource zur Bewältigung komplexer Aufgaben in unserer vielschichtigen Welt sein.

Abgelegt in: Grafik Design Datum: 28. September 2012 Erstellt von Stephan Bender

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