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Zen und die Kunst des Minimalismus – 2/5

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Informationen als Zeitfresser

An Weihnachten wollte ich eine Reise verschenken. Über eine Empfehlung kam ich auf einen Anbieter für Abenteuerreisen. Das Angebot hörte sich fantastisch an. Es wurde eine Möglichkeit angeboten, um detailliertere Informationen anzufordern.

Auf der Website wurde dazu ein Formular bereitgestellt, indem ich dann erstmal eine halbe Ewigkeit hängenblieb. Eigentlich wollte ich nur Informationsmaterial anfordern, doch die Firma hatte neben meiner Anschrift noch soviele weitere Fragen, dass ich schließlich Abstand von meinem Anliegen nahm und entnervt aufgab.

Nach einer halben Ewigkeit war ich endlich am Ende des Formulars angekommen, wo ich sogar noch ein zweites Mal meine Adresse eingeben sollte. Damit nicht genug. Das Formular wollte jetzt auch noch ausgedruckt und per Fax versendet werden. Falls ich kein Fax zur Verfügung habe, könne ich es auch einfach unterschrieben einscannen und per E-Mail senden? Nein Danke. Heute Vormittag habe ich auch noch etwas anderes vor.

Die Philosophie des Minimalismus

Multipliziert man das beschriebene Formular mit 100.000 Interessenten, die theoretisch pro Jahr vorbeisurfen könnten, so kommt man auf einen sehr großen Gesamt-Zeitaufwand nur für das Ausfüllen dieses einen Formulars. Das ist aber eine Menge Lebenszeit für so eine Standardanfrage.

Wahrscheinlich springt sowieso ein Großteil der Besucher vorher ab. Möglicherweise sollte man trotzdem einmal mit einem Designer darüber sprechen, wie man die Welt der eigenen Kunden ein kleines bißchen angenehmer gestalten könnte?

Die Ideen des Minimalismus sind natürlich nichts neues. Die Gedanken und Motive dahinter sind sogar ziemlich alt. Vor allem in fernöstlicher Kunst kann man die Qualität essentieller Darstellungen kennenlernen.

Eine Idee von Einfachheit

Den Gedanken der Einfachheit gibt es in vielen Kulturen. Speziell verwurzelt ist sie aber in Japan. Dort ist sie eng mit der traditionellen Zen-Philosophy verwandt.

Die Zen-Philosophie fand schon früh Ihren Weg in die Kaligrafie, in die Kunst und später ins Design. Die japanischen Ideen beeinflussten seit dem 19ten Jahrhundert Amerikanische Architekten, welche die gleichen Prinzipien des Minimalismus auf den Bau von Häusern anwandten.

Fernöstlicher Minimalismus

Das japanische Prinzip des „Ma“ bezieht sich auf leere oder offene Räume und Flächen. Es hat zum Ziel alle unnötigen Innenwände einzusparen und damit Raum zu schaffen zwischen Inneneinrichtung und Außenseite. Die Reduzierung auf ein spartanisches Arrangement führt das Prinzip weiter, bis zu einer möglichst essentiellen Qualität.

Die traditionelle Blumenkunst Japans („Ikebana“) hat zum Ziel die Blumenpflanze selbst zu einem Kunstwerkt zu machen. Dazu werden Zweige, Blätter und Blüten entfernt, bis nur noch der essentielle Teil der Pflanze übrigbleibt. Hiermit soll die essentielle Qualität der Pflanze und der eigene Charakter der Natur verdeutlicht werden.

Philosophie der Reduktion

Die Prinzipien des Minimalismus lassen sich ebenfalls in verschiedenen Lebensphilosophien wiederfinden. Insbesondere in asiatischen Weltanschauungen wie dem Buddhismus oder Taoismus sind die Prinzipien der Schlichtheit und Reduktion tief verankert.

Selbst die moderne Konsumgesellschaft erkennt mitlerweile eine Rückkehr der Menschen zu reduzierten Lebensprinzipien als sinnvolle Alternative an. Hier wird eine optimierte Nutzung der vorhandenen Ressourcen angestrebt.

„Choose a Job you love and you will never have to work another day
Be the change you want to see in the world
Design is thinking made visual
The essential part of creativity is not being afraid to fail
Designers are meant to be loved, not to be understood
Design must seduce, shape, and more importantly evoke an emotional response
Close your eyes and Open your mind
Ink and water don’t mix
Simplicity is the ultimate form of sophistication
Simplicity is not the goal, it is the by-product of good idea and modest expectations”

Thomas Edison (gekürztes Zitat)

Schönheit und Sinnlichkeit

Die Schönheit des Minimalismus stellt in vielen Disziplinen eine hohe Kunst dar. Dabei ist es nebensächlich, ob es sich nun um klassische Malerei, Grafik-Design, Architektur, Musik, Lyrik, Kochrezepte, Produkte, Software-Coding oder mathematische Formeln handelt. Die Schönheit einer einfachen Lösung erschliesst sich ausschliesslich mit ausreichender Fachkenntnis und genauer Betrachtung.

Ich behaupte einmal, dass überhaupt nur derjenige, der schonmal selbst ernsthaft zwei Tage über einem Problem gegrübelt und dann plötzlich auf die schöne Erhabenheit einer einfachen Lösung gestossen ist verstehen kann, was eigentlich Schönheit im Zusammenhang mit Minimalismus bedeutet.

Die Schönheit eines einfachen Bestellvorgangs kann aber zum Glück jeder schätzen. Daher ist Design in Verbindung mit Reduktion in unserer heutigen Informationsgesellschaft wichtiger denn je.

Abgelegt in: Grafik Design Datum: 28. Dezember 2012 Erstellt von Stephan Bender

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