Das Ende der Stockfotografie?

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Eine Frau mit getönter Sonnenbrille wird im Sommerurlaub von fliegenden Bratwurstbrötchen angesprochen. Ein piratenähnlicher Mann mit Augenklappe, Anzug und Krawatte, der unglaublich begeistert von dem altertümlichen Faxgerät in seinen Händen scheint. Ein einsamer Astronaut, der ein indianisch aussehendes Pferd mit frischen Karotten füttert. Hört sich das alles für Sie auch total verrückt an?

Was an Szenen aus einem bizarren Science-Fiction Roman erinnert sind alles Beispiele für die manchmal sehr merkwürdige Welt der Stockbilder. Manche Beispiele sind inhaltlich so lächerlich, dass sie schon wieder unfreiwillig komisch sind.

Zugegebenermaßen waren das jetzt extreme Beispiele. Doch auch bei der Vielzahl „normalerer“ Bilder ist schnell offensichtlich, daß diese Bilder nichtmal annähernd die Realität darstellen können. Die Welt der Stockfotos zeigt fast ausnahmslos eine wunderbar heile Welt, bestehend aus homogenen Familien, lächelnden Mitarbeitern in coolen Büros, glücklich kuschelnde Paare bei Sonnenuntergang am Strand, absolute Begeisterung bei gestressten Managern, wenn endlich wieder das Telefon klingelt usw.

Die echte Welt sieht manchmal anders aus. Konsumenten verbinden mit solch gewollten Bildern oft nichts außer persönlichen Enttäuschungen. Die Wirkung ist daher häufig generisch, platt oder austauschbar. Marken, mit solchen Standard-Bildern riskieren dadurch, den Bezug zu ihrer Zielgruppe zu verlieren oder unglaubwürdig zu werden.

Eine funktionierende Kampagne braucht eigene Persönlichkeit. Ein Bericht der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group hat jüngst herausgefunden, dass die sogenannten Millenials schon jetzt bevorzugt zu Marken greifen, die deutlich aufwendiger und persönlicher erscheinen müßen, als dies noch für frühere Generationen wichtig war. (… engage with brands “far more extensively and personally than older generations.”)

Der heutige Verbraucher wird ohnehin an allen Ecken und Enden beschallt von diversen Marketingaktivitäten unterschiedlicher Qualität und neigt daher schon von Haus aus eher dazu die Werbung zu ignorieren oder wenigstens zu überspringen und anschließend komplett aus dem Gedächtnis zu löschen. Damit Kampagnen herausstechen müßen diese sinnvolle Geschichten erzählen, die Aufmerksamkeit der Leute wecken und neues erzählen. Gute Bilder sind häufig die richtige Antwort auf unerfolgreiche Kampagnen Bemühungen.

Inhalte sollten authentisch sein um in Kampagnen erfolgreich zu sein. Deswegen werden auch verstärkt nutzergenerierte Inhalte als unbezahlbare Ressource empfunden. User erzeugen große Mengen an authentischen Inhalten.

Die meisten Menschen vertrauen diesen nutzergenerierten Inhalten inzwischen sogar instinktiv stärker, als jeder anderen Information über die Aussagen eines Untnernehmens. Fast 85% der Befragten berichteten in der obengenannter Studie, dass nutzergenerierte Inhalte auf Unternehmenswebsites einen direkten Einfluss darauf haben, was sie kaufen.

Generation Adblock

Der Aufwand für wirkungsvolle Bilder ist sinnvoll, weil sie starke Wettbewerbsvorteile bringen können. Das muss gar nicht immer viel kosten: Ein kleiner Etat ist besser, als keiner.

Austauschbare Bilder sind aber auch nicht wirkungslos. Wenn wir ein Bild sehen, welches bereits durch ein ähnliches Motiv besetzt ist, so wird das neue Motiv unterbewusst einfach der bekannteren Marke zugeschrieben.

Die Entwicklung eines eigenen Bildkonzepts und die Investition in ausdrucksstarke Motive von ausgewählten Fotografen lohnt sich meistens. So zeigt man einzigartige Bilder, die das Besondere ausdrücken. Bei Bildern zu sparen, wird häufig mit fehlender Wirkung erkauft.

 

 

Abgelegt in: Bildwirkung Datum: 29. September 2015 Erstellt von Stephan Bender

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